Wenn Schule wieder Freude macht: Warum kreative Fächer so wichtig sind

Impuls der Woche - 04.09.2026

Schule ist mehr als Deutsch, Mathematik und Englisch

Wenn wir über schulischen Erfolg sprechen, geht es erstaunlich schnell um die Hauptfächer. Wie steht mein Kind in Mathematik? Wie läuft Englisch? Was muss in Deutsch noch besser werden? Das ist verständlich. Diese Fächer haben ein großes Gewicht für Zeugnisse und Schulabschlüsse.

Aber vielleicht lohnt es sich, den Blick zwischendurch auf die Stunden zu richten, auf die sich ein Kind wirklich freut. Auf Kunst. Den Chor. Das Schulorchester. Die Theatergruppe oder Darstellen und Gestalten. Denn manchmal ist es genau diese eine Stunde im Stundenplan, die dafür sorgt, dass ein Kind an diesem Morgen gerne zur Schule geht.

Wenn ein Kind plötzlich eine andere Seite von sich zeigen darf

Nicht jedes Kind erlebt sich in Schule als besonders erfolgreich.

Wer sich mit Bruchrechnung schwertut, beim Schreiben viele Fehler macht oder Vokabeln langsamer lernt als andere, bekommt regelmäßig Rückmeldungen darüber, was noch nicht gut genug funktioniert.

Und dann steht dieses Kind vielleicht auf einer Bühne. Es singt. Spielt ein Instrument. Entwickelt eine Rolle oder gestaltet gemeinsam mit anderen ein Bühnenbild.

Plötzlich wird etwas ganz anderes sichtbar.

Da ist Kreativität. Mut. Musikalität. Ausdruck. Fantasie. Vielleicht auch eine Fähigkeit, die im normalen Unterricht kaum jemand bemerkt hat. Für ein Kind kann diese Erfahrung unglaublich wertvoll sein:

Ich kann etwas. Und andere sehen das auch.

Was das mit Motivation zu tun hat

Motivation entsteht nicht nur durch gute Noten. Sie entsteht auch dort, wo wir uns kompetent fühlen, wo wir etwas gestalten können und wo wir erleben, dass unser eigener Beitrag zählt.

Gerade kreative Fächer bieten dafür besondere Möglichkeiten. Es gibt nicht immer nur eine richtige Lösung. Kinder dürfen ausprobieren, verändern, verwerfen und etwas Eigenes entstehen lassen.

Im Chor oder Orchester kommt noch etwas hinzu: Man wird Teil eines Ganzen. Die eigene Stimme oder das eigene Instrument ist wichtig, aber gleichzeitig muss man zuhören und sich auf andere einstellen.

Theater verlangt wiederum Mut. Eine Rolle einzunehmen, vor anderen zu sprechen und sich zu zeigen, kann gerade für zurückhaltende Kinder eine erstaunliche Erfahrung sein.

Und manchmal verändert sich dadurch auch das Verhältnis zur Schule insgesamt. Nicht unbedingt von heute auf morgen. Aber Schule besteht plötzlich nicht mehr ausschließlich aus den Fächern, in denen etwas schwerfällt.

Hilft Kreativität auch beim Lernen?

Kreative und musische Aktivitäten trainieren Fähigkeiten, die auch in anderen schulischen Bereichen gebraucht werden.

Beim Musizieren geht es um Aufmerksamkeit, Übung, Rhythmus und Durchhaltevermögen. Beim Theater um Sprache, Gedächtnis, Ausdruck und Zusammenarbeit. Beim Gestalten um Wahrnehmung, Planung und die Fähigkeit, eigene Lösungen zu entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass Chorsingen automatisch die Mathematiknote verbessert. Aber ein Kind, das in der Schule Erfolg, Freude und Selbstwirksamkeit erlebt, bringt möglicherweise etwas Entscheidendes mit in die nächste Unterrichtsstunde: mehr Zutrauen in sich selbst.

Und vielleicht auch wieder etwas mehr Bereitschaft, sich auf Dinge einzulassen, die ihm nicht ganz so leichtfallen.

Muss ein Kind eigentlich überall gleich gut sein?

Diese Frage finde ich gerade bei künstlerisch begabten Kindern besonders wichtig. Ein Kind kann wunderbar zeichnen, ein außergewöhnliches musikalisches Gefühl haben oder auf einer Bühne vollkommen in seinem Element sein und trotzdem Schwierigkeiten mit Mathematik haben.

Warum sollte das ungewöhnlich sein? Wir Erwachsenen sind schließlich auch nicht in allem gleich gut.

Trotzdem richtet sich der schulische Blick häufig auf die Fächer, in denen Leistungen fehlen. Und natürlich können bestimmte Grundlagen nicht einfach ausgeblendet werden. Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen bleiben für den weiteren Schulweg wichtig.

Die Herausforderung besteht deshalb vielleicht darin, beides gleichzeitig zu sehen: Das zu fördern, was ein Kind besonders gut kann und ihm dort Unterstützung zu geben, wo es sie braucht.

Welche Rolle kann Nachhilfe dabei spielen?

Gerade für ein Kind, dessen Stärken ganz offensichtlich in einem anderen Bereich liegen, sollte Nachhilfe nicht versuchen, aus jedem schwierigen Fach plötzlich ein Lieblingsfach zu machen. Das muss sie auch gar nicht.

Gute Nachhilfe kann vielmehr dafür sorgen, dass ein schwächeres Fach nicht den gesamten Schulalltag überschattet. Wenn Grundlagen verständlich erklärt werden, Lernstoff gemeinsam sortiert wird und ein Kind Fragen stellen kann, ohne sich dafür schlecht zu fühlen, entsteht nach und nach mehr Sicherheit.

Vielleicht wird Mathematik trotzdem niemals die große Leidenschaft. Aber aus „Ich kann Mathe einfach nicht“ kann irgendwann werden:

„Es ist nicht mein Lieblingsfach. Aber ich weiß, wie ich damit zurechtkomme.“

Und das ist ein großer Unterschied.

🌱 Ein Gedanke zum Schluss

Vielleicht sollten wir unsere Kinder öfter fragen, welches Fach ihnen eigentlich Freude macht und warum.

Nicht sofort mit dem Gedanken, ob sich daraus später ein Beruf machen lässt. Sondern einfach, um zu verstehen, wo ihre Augen leuchten. Denn Schule sollte Kinder nicht nur darin begleiten, an ihren Schwächen zu arbeiten.

Sie sollte ihnen auch Räume geben, in denen sie entdecken können, was bereits in ihnen steckt.

Und wenn wir diese Stärken ernst nehmen und gleichzeitig dort unterstützen, wo Lernen schwerer fällt, kann vielleicht etwas entstehen, das im Schulalltag manchmal verloren geht:

Wieder gerne zur Schule zu gehen.

 

 

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